Gedanken zur politischen Kultur, oder: Aperos gehören zur politischen Arbeit

Digitalisierung mit Kopf, Herz und Hand (1 und 2)

Chance Sek

Innovationspark – für einen zukunftsfähigen Kanton Zürich

Gedanken zur politischen Kultur – oder:

Apéros gehören zur politischen Arbeit!

Politische Arbeit lebt vom Austausch von Meinungen, vom fairen und geordneten Austausch von Standpunkten. An Parlamentssitzungen werden die Positionen öffentlich ausgetauscht. Es wird die eigene Haltung vertreten und auf die der anderen Parteien reagiert, mit Verständnis oder Unverständnis. Ihre Meinung haben sich die Politiker aber schon vorher gebildet. Auch bei einem besonders überzeugenden, kraftvollen Votum wird kaum je anders abstimmt als vorgesehen. Aber der Austausch im Parlament ist wichtig, für die Parlamentarier und für die interessierte Öffentlichkeit, denn Parlamente schaffen Öffentlichkeit.

Der Kantonsrat Zürich tagt seit über 300 Jahren im Rathaus. Korrekterweise muss ich sagen, tagte mitten in der Stadt, denn im altehrwürdigen Ratssaal können keine Abstände eingehalten werden. Man sass dort Ellbogen an Ellbogen, Knie an Knie, unmöglich in Zeiten von Corona. Damit die Kantonsräte die Abstandsregeln einhalten können, sind wir nun in einer ausgedienten und umgestalteten Messehalle in Zürich Öerlikon. Endlich mehr Platz, sagen die einen während die anderen sich nach dem historischen Ratssaal sehnen.

Es hat sich einiges verändert. Mehr Platz heisst mehr Abstand – so viel Abstand, dass man sich gar nicht nicht mehr richtig sieht. Im altehrwürdigen Rathaus war es so, dass man der politisch anderen Seite gegenüber sass, und sie anschauen konnte (oder musste). Jetzt schaut man einander höchstens in den Rücken.

Apéros gibt es seit Beginn der Coronapandemie keine mehr. Sie mögen sagen, Politiker sollen ja auch nicht zum Anstossen zusammenkommen, sondern für die politische Arbeit. Das stimmt grundsätzlich. Dennoch wird mir mehr und mehr bewusst, wie wichtig solche Anlässe aber waren. Man lernte sich kennen, als Mensch mit besonderen Interessen, als Familienvater, als berufstätige Frau. Man lernte sich schätzen. Man nahm die anderen Kantonsräte nicht nur als Vertreter einer Partei wahr, die einen Standpunkt vertreten, sondern eben als Menschen, mit denen man sich gerne unterhält, die interessant sind. Und erst das ermöglicht einen vernünftigen Umgang miteinander. Erst das ermöglicht Gespräche zu komplizierten politischen Fragen, erst das ermöglicht es, die so wichtigen Kompromisse zu finden. Denn Menschen, die man etwas besser kennt, ja vielleicht sogar mag, hört man lieber zu, als einfach nur einem Politiker einer anderen Partei. Man versucht sie eher zu verstehen. Ich muss sagen, dass mir die Anlässe um den direkten Parlamentsbetrieb im Ratssaal fehlen, denn damit geht eine politische Kultur verloren, die uns auszeichnet und die für den Kanton Zürich wichtig ist. Denn politische Arbeit lebt vom Austausch von Meinungen – und vom Aushandeln von Lösungen für einen innovativen und attraktiven Kanton Zürich.

(Tribüne vom 3. Februar 2021 im Zürcher Oberländer)

Digitalisierung an Schulen – mit Kopf, Herz und Hand

Digitalisierung ist in aller Munde – und wird auch die Schulzimmer vermehrt prägen. Der Computer wird aber immer nur ein Hilfsmittel sein. Und auch bei Einsatz von ICT (Informations – und Kommunikationstechnologien) gibt es nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren.

Die Schulen haben die Aufgabe, die Kinder und Jugendlichen vorzubereiten auf ein selbstbestimmtes Leben – und ein selbstbestimmtes Lernen auch nach der Schule.

Der neue Lehrplan, aber auch die Entwicklung bei den Lehrmitteln hin zu vermehrt elektronischen Versionen, bedingen eine stete und individuelle Verfügbarkeit von Arbeitsgeräten. Nur so können Lektionen und Projekte sinnvoll geplant und störungsfrei durchgeführt werden.

Der Umgang mit Computern findet nicht nur im neuen Fach «Medien und Informatik» statt, sondern wird in allen Fächern Teil des Unterrichts. Deshalb muss jederzeit auf das schulinterne Netzwerk, das Internet, digitale Lehrmittel, Drucker und so weiter zugegriffen werden können. Mit einem persönlichen mobilen Gerät, das diese Anforderungen erfüllt, bekommen alle Kinder und Jugendlichen gleiche Chancen.

Damit steht ihnen die digitale Welt offen. Der sinnvolle Umgang mit diesen Freiheiten ist aber nicht einfach, und muss gelernt werden – mit sachkundiger Unterstützung durch unsere Lehrerinnen und Lehrer.

Lehrpersonen können vorstrukturieren, beim Einordnen und Beurteilen der Informationsflut helfen – und sie sind Menschen mit Herz und Seele. Die einen werden den Computer nur gelegentlich als Hilfsmittel einsetzen, andere werden mit internetbasierten Lehrmitteln arbeiten, andere Projekte anregen und die Lernenden machen lassen.

In der Flut an Material auf dem Internet braucht es Wegweiser. Lehrpersonen können beim Lernen unterstützen, ermuntern, anregen – ein Smiley auf dem Computer kann die Motivation nicht annähernd so fördern, wie ein persönliches Feedback mit aufmunternden Anregungen. Deshalb glaube ich auch nicht an den Erfolg von «Intelligenten tutoriellen Systemen», welche den Unterricht mithilfe künstlicher Intelligenz individualisieren wollen und die von den Tech-Unternehmen im Silicon Valley vorangetrieben werden. Egal wie clever diese Systeme sind, sie können zwar das Lernen unterstützen, aber können – und dürfen – den direkten Kontakt nicht ersetzen.

Und wenn die Schülerinnen und Schüler ein aufwändiges Projekt gestalten – das Publikum «Klasse» kann nicht durch «Klicks» oder «Likes» ersetzt werden – auch wenn diese eine motivierende Ergänzung zum direkten, persönlichen Feedback sein mögen.

Und zuletzt gibt es immer ein reales Leben ausserhalb der virtuellen Welt, das es zu erleben und entdecken gilt. Diese echten Erlebnisse – Lernen mit Kopf, Herz und Hand – kann kein noch so ausgeklügeltes Computerprogramm ersetzen.

(Tribüne vom 12. Februar 2020 im Zürcher Oberländer)

Digitalisierung an Schulen – mit Kopf, Herz und Hand 2

oder: Direkter Kontakt zu Lehrerinnen und Lehrern bleibt unersetzbar

Kurz vor den Schulschliessungen wegen der Corona-Pandemie habe ich hier den Artikel «Digitalisierung an Schulen – mit Kopf, Herz und Hand» publizieren können.

In dieser Krise haben wir alle gemerkt, dass wir auch im Umgang mit Computern gut ausgebildete Lehrpersonen brauchen und eine funktionierende IT Infrastruktur haben. Es war neu, wie stark die Digitalisierung den Schulalltag prägen, ja sogar sicherstellen kann. Für die meisten Schulen war die Umstellung gross – und es ist bewundernswert, mit welchem Einsatz die Herausforderung gemeistert wurde. Von einem Tag auf den andern musste der Schulalltag umgestaltet werden. Viele mussten Neuland betreten, sich selber Crashkurs mässig weiterbilden – und gleich umsetzen und Kinder als Experten unterstützen.

Die Digitalisierung an Schulen ist durch diese Krise rasch vorwärts gekommen.

Wir haben in dieser Krise aber auch gemerkt, dass Computer nur Arbeitsgeräte sind, und dass Digitalisierung – egal wie umgesetzt – etwas nicht ersetzen kann: nämlich den menschlichen Kontakt. Videokonferenzen sind nützlich, ja am Anfang vielleicht sogar witzig. Aber wir haben alle gemerkt, dass wir soziale Wesen sind und den direkten Austausch, die Nähe zu den Anderen brauchen, selbst, wenn wir sie nicht immer mögen.

Und wir haben auch gemerkt, dass es ein reales Leben ausserhalb der virtuellen Welt gibt, das wir erleben und entdecken möchten. Durch Wälder streifen, Pflanzen bestimmen, Gerüche wahrnehmen. Und nicht zuletzt haben die Kinder es vermisst, zur Schule zu gehen. Der Schulweg, der Unterricht im Klassenverband, die Pausen, all das gehört einfach dazu. Die Freude über die Schulschliessung hielt nicht lange hin…

Echte Erlebnisse, echte Kontakte, Lernen mit Kopf, Herz und Hand, kann kein noch so ausgeklügeltes Computerprogramm ersetzen.

Und damit bestätigt sich die Kernaussage meines Textes vom Februar:

Es geht nichts über engagierte Lehrpersonen, die sich für unsere Kinder und Jugendlichen einsetzen.

Lehrpersonen haben vorstrukturiert, Aufträge erarbeitet, korrigiert, beim Einordnen und Beurteilen der Informationsflut geholfen und sie haben versucht, Kontakt zu den Kindern zu halten.

Jetzt stehen sie wieder vor den Klassen: Menschen mit Herz und Seele. Menschen, die durch keine Computer ersetzt werden können. Menschen, die auch keine Bedenken haben müssen, dass sie durch die Computer ersetzt werden könnten. Denn auch wenn der Unterricht in der Coronakrise nur dank Digitalisierung aufrecht erhalten werden konnte, die Lehrerinnen und Lehrer waren blieben entscheidend – und sie sind es weiterhin.

Computer können zwar das Lernen unterstützen, aber können – und dürfen – den direkten Kontakt nicht ersetzen.

(Tribüne vom 30. September 2020 im Zürcher Oberländer)

Chance Sek

In diesen Tagen warten viele Kinder und ihre Eltern gespannt auf das Resultat der Gymiprüfung. Sie haben Zeit, Energie und Geld in die Vorbereitung investiert, weil sie es ans Gymnasium schaffen wollen. Dieser Trend ist ungebrochen – leider ungebrochen.

Selbstverständlich ist das Langzeitgymnasium eine tolle Schule für sehr leistungsstarke und lernwillige Kinder – und sie sollen auch ans Gymi gehen. Es braucht aber viel Motivation und oft auch Unterstützung, um dann die sechs Jahre zu bestehen. Und in vielen Fällen ist es eine verfrühte Entscheidung für einen Bildungsweg.

Gerade bei unserem System können die Kinder nach der Sekundarschule nicht nur eine attraktive Berufslehre machen. Sie haben nochmals die Chance, in eine Mittelschule einzutreten und einen gleichwertigen Maturitätsabschluss zu machen. Da stellt sich schon die Frage, woran es liegt, dass immer mehr Eltern ihre Kinder unbedingt ins Gymi schicken wollen. Selbstverständlich wollen alle nur das Beste für ihre Kinder, und das ist gut so. Aber es muss nicht das Gymi sein.

Das Beste ist in den meisten Fällen die Sekundarschule. Die Sekundarstufe bereitet nicht nur auf das Berufsleben vor, sie ist auch eine glaubwürdige und attraktive Alternative zum Untergymnasium.

Unsere Sekundarschulen sind gute Schulen. Sie sind am Puls des Lebens. Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule werden gefördert und gefordert, damit sie fit sind für ihre berufliche oder schulische Zukunft. Die Sekundarschulen bereiten die Jugendlichen also auf eine Berufsausbildung vor – und auf einen Übertritt in die Mittelschule. Kurz: die Sekundarschulen fördern und bilden die Jugendlichen so, dass ihnen alle Möglichkeiten offenstehen.

Es gibt viele Erfolgsgeschichten von Sek-Abgängern. Damit sind nicht nur Unternehmer gemeint, welche nach der Berufslehre ihre eigene Geschäftsidee umsetzen und sich im Markt behaupten. Damit sind nicht nur diejenigen gemeint, welche nach einer Berufsmatura an einer Fachhochschule studieren und eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Wirtschaft übernehmen. Damit sind alle gemeint, welche dank der Sekundarschule den Einstieg in die Berufswelt finden und ihr Leben eigenverantwortlich gestalten.

Damit die jungen Menschen die notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übertritt in die Berufsbildung erlangen, werden leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler individuell gefördert. Sie erkennen ihre Stärken – und arbeiten an ihren Defiziten.

Und mit einem herausfordernden Unterricht für die leistungsstarken Jugendlichen ist die Sekundarschule auch für begabte Lernende attraktiv.

Mit den drei Stufen der Sekundarschule können alle Lernenden angemessen gefördert und gefordert werden – und können Erfolgserlebnisse haben, welche motivierend sind. Entscheidend ist aber auch, dass die Durchlässigkeit möglich ist und so darauf reagiert werden kann, wenn Leistungsveränderungen eintreten.

Natürlich gibt es auch offene Fragen, die zu klären sind. Wir müssen daran arbeiten, dass es für Betriebe einfacher wird, Jugendliche zu finden, welche die von ihnen verlangten Kompetenzen haben. Dazu braucht es auch Zeugnisse, welche die schulischen Leistungen und Kompetenzen der Jugendlichen nachvollziehbar dokumentieren. Mit der «Beruflichen Orientierung» in der 2. Sek gibt es ein Gefäss, das Jugendlichen verschiedene Optionen aufzeigt. So können Schwierigkeiten beim Übergang von der Grundbildung zur Berufsbildung vermieden werden.

Die Sek ist eine Erfolgsgeschichte. Wir müssen alle dazu beitragen, dass das so bleibt und die Sekundarschule als Chance Sek wieder stärker im Bewusstsein der Gesellschaft verankert ist.

(Tribüne im Zürcher Oberländer)

Innovationspark – für einen zukunftsfähigen Kanton Zürich

Als Grünliberaler Kantonsrat, der sich für einen lebenswerten Bezirk Uster einsetzt, stehe ich klar hinter dem Innovationspark.

Das Gebiet des heutigen Flugplatzes Dübendorf ist ein einzigartiges Areal, eine Landreserve, die heute und morgen diverse Nutzungen zulässt. Dazu gehören Forschung, Entwicklung und Erholung, aber kein Flugbetrieb, welcher die Menschen mit Lärm belastet.  Doch mehr dazu später.

Der Innovationspark ist eine einmalige Chance für die Zukunft der Region und des Kantons. Auf einem kleinen Teil des heutigen Flugplatzes bietet er Raum für die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch zwischen den Zürcher Hoch- und Fachhochschulen und der Privatwirtschaft – und diese Nähe von klugen Köpfen schafft Innovation. So entstehen hier in unserer Region aus Forschungsergebnissen marktfähige Produkte und Dienstleistungen. 

So weit so gut – aber jetzt kommen die weniger erfreulichen Punkte.

Die Regierung verlangt vom Parlament einen Verpflichtungskredit von mehreren Dutzend Millionen Steuergeldern. Der Innovationspark muss aber selbsttragend arbeiten. Anschubfinanzierungen sind als Aufbauhilfen zu verstehen und zu begrenzen.

Bei der Erschliessung des Areals fehlt der Innovationsgeist.
Es braucht eine zukunftsgerichtete Anbindung des Innovationsparks, konkret eine direkte Anbindung an die Glattalbahn.

In einer Übergangszeit könnten mit einen Versuchsbetrieb mit emissionsfreien, autonom fahrenden Kleinbussen neue Mobiltiätskonzepte gleich im Betrieb getestet und nicht nur im Innovationspark ausprobiert werden.

Und schliesslich zurück zum Hauptkritikpunkt. Die Pläne des Bundes, das Areal für die zivile Luftfahrt als Business Airport zu nutzen, bieten keinen Gewinn für die Region. Vielmehr gefährden sie die Lebensqualität im Bezirk und darüber hinaus.

Es geht nicht darum, die Aviatik ganz zu verhindern. Die Bevölkerung rund um den Flughafen befürwortet mehrheitlich ein Betriebskonzept mit Werkflügen. Unverständlicherweise haben sowohl die Kantonsregierung als auch der Bund diesem Konzept eine Absage erteilt.

Als Grünliberaler werde ich mich gegen die Ansiedlung eines Business Airport in Dübendorf einsetzen.

Kurz: der Innovationspark bietet – richtig umgesetzt, mit Innovation und ohne Zivilaviatik – eine grosse Chance für einen attraktiven und innovativen Bezirk Uster.