NZZ: Mit Benno Scherrer erklimmt erstmals ein Grünliberaler den «Bock» – ein Ritterschlag für die «Hybridpartei» im Zürcher Kantonsrat

Für den ganzen Artikel von Stefan Hotz https://www.nzz.ch/zuerich/kantonsrat-zuerich-benno-scherrer-gruenliberaler-wird-praesident-ld.1614625?reduced=true

(…) Benno Scherrer ist ein Urgestein der GLP – und doch kein typischer Vertreter. (…) Scherrer studierte Anglistik und Geschichte. Damit zählt er nicht zu den zahlreichen Naturwissenschaftern und Ingenieuren, von denen es in der GLP wimmelt. Er sei der «Quoten-Geisteswissenschafter» und möge keine Excel-Tabellen, merkt er ironisch an. Dafür profilierte er sich seiner Neigung entsprechend als Generalist. (…)

Ab 2012 war Scherrer sieben Jahre lang Fraktionspräsident der GLP, er gehörte damit der Geschäftsleitung des Kantonsrats an, was den Weg in das Präsidium vorspurte. Bei den grünliberalen Kernthemen überliess er die Bühne anderen in der Fraktion. (…)

Auch Scherrer weist wie seine Vorgänger in seiner Eröffnungsrede zum neuen Amtsjahr darauf hin, dass man die Redezeit nicht zwingend ausschöpfen müsse. Die Effizienz der Ratsarbeit hat für ihn aber Grenzen. «Es ist nicht die Aufgabe eines Parlaments, Geschäfte möglichst rasch durchzupauken, sondern Meinungen auszutauschen», sagt er. Wichtig ist ihm, sich persönlich kennenzulernen. In einem Zeitungsbeitrag schrieb er einmal, auch der Apéro gehöre zur politischen Arbeit. Scherrer hofft deshalb, dass bald wieder mehr gesellschaftliche Treffen möglich sind, im Interesse einer besseren Politik. Den Vorschlag, der Kantonsrat müsse auch virtuell tagen können, hält er nur als kurzfristige Notmassnahme für richtig. Er findet es schon jetzt problematisch, dass die Parlamentarier im Exil an die Rücken der Ratskollegen starren. Dezidiert ist Scherrer gegen die Idee, ein neues Rathaus zu bauen. Er fürchte, daraus würde ein «Palast der Demokratie» oder «Volkskongress», meinte er einmal in einem Votum. (…)

Tages Anzeiger: Ein Grünliberaler ist erstmals oberster Zürcher

Für den ganzen Artikel von Hélène Arnet https://www.tagesanzeiger.ch/der-erste-gruenliberale-als-oberster-zuercher-518126626617

Der Ustermer Benno Scherrer ist am Montagmorgen zum Kantonsratspräsidenten gewählt worden. Der Biker und «Pfader» gilt als Fels in der Brandung. Der 56-jährige Berufsschullehrer aus Uster ist der erste Vertreter der Grünliberalen, der dieses Amt übernimmt.

Scherrer ist ein Urgestein der noch jungen Partei, die es im Kanton Zürich erst seit siebzehn Jahren gibt. 2006 wurde Scherrer ins Stadtparlament von Uster gewählt, ein Jahr später in den Kantonsrat. Er fiel dabei als unaufgeregter, eloquenter, aber nicht schwatzhafter Parlamentarier auf. GLP-Fraktionspräsident Michael Zeugin beschrieb ihn als «wandelndes Lexikon politischen Wissens».

Scherrer, ein passionierter Velofahrer, bat in erster Linie um mehr Disziplin im Ratsbetrieb. Man soll sich wirklich nur zu Wort melden, wenn man Wichtiges und Neues zu sagen habe. Und sich dann möglichst kurz fassen. «Fast alles Wichtige ist in zwei Minuten erklärbar», behauptete der Präsident der Sekundarschule Uster. Und: «Wenn wir etwas bewegen möchten, müssen wir auch einmal stillsitzen.»

Regierungspräsidentin Jacqueline Fehr (SP) verwies darauf, dass Scherrer in der Pfadi den Namen «Gepard» trug, und teilte ihn ins Lager des Politikertyps «gelassener Fels in der Brandung» ein. Im Unterschied zur Gegenpartei des «daueraufgeregten Unruhetyps».

«​​​​​Ich bin eher der Langstreckenläufer als der Sprinter – auch im Leben»​​​​​​​

Für das ganze Interview von und mit Tanja Hudec https://zueriost.ch/politik/2021-04-30/ich-bin-eher-der-langstreckenlaeufer-als-der-sprinter-auch-im-leben

Herr Scherrer, Gratulation! Ab jetzt haben Sie ein Jahr lang nichts mehr zu melden. Freuen Sie sich über Ihre Wahl?
Benno Scherrer: Natürlich. Besonders auch, weil ich der erste Grünliberale Kantonsratspräsident bin. Ich freue mich, dass meine Partei angekommen ist in der Politik. Ich war während den ersten Zügen dabei und finde es toll, dass wir es geschafft haben, zu bleiben und nun sogar so gross sind, dass wir ein Präsidium stellen dürfen. Dass ich inhaltlich während einem Jahr nichts mehr zu sagen habe, ist voll in Ordnung. In der Fraktion kann ich schliesslich immer noch mitdiskutieren. Und: Wenn es während den Abstimmungen hart auf hart kommt, habe ich sogar den Stichentscheid. (…)

Demnach ist die Redezeit im Kantonsrat auch immer wieder ein Thema?
Es ist ein riesiges Thema. (…) Manchmal könnte man meinen, der Wettbewerb bestehe darin, wer näher an die fünf Minuten Redezeit herankommt, als wer die besseren Argumente vorbringt. Hier braucht es einen Kulturwandel. (…)

In ihrer Freizeit sind Sie sehr aktiv, als Biker, Kletterer und Skifahrer. Sind Sie auch vom Charakter her ein getriebener Mensch?
Nein. Ich betreibe keine dieser Sportarten auf extreme Weise. Ich bin eher der Langstreckenläufer als der Sprinter – auch im Leben. Ich bin aber tatsächlich auch schon Marathon gelaufen. Wichtig ist mir der Ausgleich und dass ich keine Ausrüstung benötige. (…) Ich geniesse gerne die Landschaft und reize meine Ausdauergrenze aus.

Zum Schluss: Sie sind jetzt der höchste Zürcher. Womit wollen Sie in das noch toppen?
Schwierig, vielleicht mit tollen Erlebnissen im persönlichen Bereich. Politisch bin ich oben angekommen. Zürich ist der tollste Kanton der Schweiz. Premierminister von England kann ich ja nicht werden. (schmunzelt;-)  

Dann hegen Sie vielleicht im privaten Bereich noch eine Ambition?
(…) Was ich wieder einmal tun werde: als höchster Zürcher den höchsten Zürcher Gipfel – das Schnebelhorn – besteigen. …und daraus wurde die Kantonsumrundung 😉

DIE GLP IST ANGEKOMMEN

Für das ganze Interview von und mit Martin Mäder im Uster Report Seite 38f. UR_2021_04.pdf (fo-fotorotar.ch)

Benno Scherrer, was bedeutet für Sie dieses Ratspräsidium?
Für mich ein klares Zeichen, dass die Grünliberalen in der kantonalen Politik angekommen sind. Für ein solches Präsidium braucht es einen bestimmten Wähleranteil, und das über eine gewisse Zeitspanne hinweg. Dass ich nun als erster GLP-Volksvertreter zum höchsten Zürcher gewählt worden bin, ehrt mich natürlich. Dennoch weiss ich, dass man ohne diese solide politische Parteibasis gar nie in eine solche Situation kommen kann. Dass es so weit gekommen ist, habe ich in erster Linie meinen Dübendorfer Wegbereitern Martin Bäumle und Thomas Maier zu verdanken.

Haben Sie sich Ziele für dieses Amtsjahr gesetzt?
Was den Rat konkret betrifft, möchte ich gute Diskussionen ermöglichen. Bei meiner Antrittsrede wünschte ich mir künftig prägnante und inhaltsreiche Voten. Dann möchte ich das Kantonsparlament gegen aussen repräsentieren. Hier geht es mir um Bürgernähe. Wenn ich als eingeladener Ratspräsident an Anlässen teilnehme, ist das auch ein Zeichen vor Wertschätzung durch die kantonale Politik. (…)

Wo finden Sie in Uster Entspannung von der Politik?
Am schönsten ist es für mich im Oberustermer Wald. Ich finde diesen sehr vielfältig. Dies vor allem dann, wenn man sich etwas abseits der grossen Hauptwege bewegt. Und gerne halte ich mich an allen Orten auf, wo man eine Aussicht auf die Berge hat.